Washington D.C. bei Nacht
Ein Foto, das sofort Bilder von gleissenden Lichtern und Schatten heraufbeschwört. Das Weisse Haus, angestrahlt wie ein Leuchtturm der Macht, während der Potomac träge unter der Arlington Memorial Bridge dahinfliesst. Das Lincoln Memorial, monumental und still, reflektiert im Reflecting Pool - ein Spiegel aus Licht und Geschichte. Das Kapitol, dessen Kuppel wie ein zweiter Mond über der Stadt thront.
Die National Mall wird zur Bühne: Touristen mit Selfie-Sticks, Jogger, die um 23 Uhr noch ihre Runden drehen, und irgendwo ein Saxophonist, dessen Melodie sich in die feuchte Luft mischt. Die Geheimdienst-SUVs gleiten lautlos durch die Strassen, während in den Bars von Georgetown die letzten Cocktails serviert werden.
Aber da ist auch die andere Seite: die leeren Büros im West Wing, in denen noch Laptops glühen. Die Protestierenden, die sich vor dem Supreme Court versammeln, ihre Plakate von Laternen beleuchtet. Die Obdachlosen, die sich unter der Metro-Station in der Kälte zusammenrollen.
Washington bei Nacht ist ein Kontrast: Macht und Ohnmacht, Glanz und Grau, Geschichte und Gegenwart – alles in einem Atemzug.
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