Kanada geht auch.

Kanada geht auch.
Photo by Ali Tawfiq / Unsplash

Wie kam ich gerade auf Kanada? Wegen Robert B. Parkers "Jesse Stone". Denn die TV-Adaptation wurde nicht in Massachusetts (wo die fiktive Kleinstadt Paradise liegt) und Boston gedreht, wo die Geschichten spielen, sondern in Nova Scotia, Kanada.

Ich werde ab und zu gefragt, ob andere Schriftsteller mich zu einer Figur inspiriert haben und wenn ja, welche. Bei "John Chambers" kann ich das so genau nicht sagen - in diese Geschichten fliessen zu viele Einflüsse mit hinein, auch solche aus dem realen Leben. Aber fast alle Schriftsteller werden von anderen Schriftstellern inspiriert, beeinflusst oder sogar bewusst geprägt. Das Lesen ist für die meisten Autoren die wichtigste "Schule" des Schreibens. Man liest, man lernt Techniken, Stil, Atmosphäre, Figurenbau, Plot-Strukturen - und das fliesst dann (bewusst oder unbewusst) in die eigenen Werke mit ein. Das ist kein "Kopieren" im negativen Sinne (solange es nicht zu Plagiat wird), sondern ein ganz normaler kreativer Prozess.

Und das führt mich nun zurück zu Robert B. Parker. Seine Bücher - die Jesse-Stone-Reihe - haben mich massgeblich dazu inspiriert, eine neue Figur zu entwickeln und einen Kriminalroman zu schreiben, der in Maine spielt.

Erst im Nachhinein habe ich von seiner Verbindung zu Maine erfahren, was die Sache noch stärker und cooler macht. Zufälle gibt es. Robert B. Parker studierte am Colby College in Waterville, Maine, und in seinen Büchern taucht der Bundesstaat immer wieder auf - z.B. in "Early Autumn" (Spenser nimmt einen Jungen mit zum Campen in Maine), oder in anderen Spenser-Romanen, wo die raue, wilde Natur und die Kleinstadt-Atmosphäre eine Rolle spielen.

Parker hat den modernen Hardboiled-Detektiv (à la Chandler/Hammett) perfektioniert und ihn mit Humor, Psychologie und einem Hauch von Melancholie aufgefrischt - genau das passt super zu einem Maine-Setting: Die einsame Küste, die harten Winter, die isolierten Orte, wo Geheimnisse lange halten... das schreit nach einem Chief oder Ermittler, der wie Jesse Stone mit seinen eigenen Dämonen kämpft.

Und dann kommt noch eine Prise Raylan Givens hinzu. Der Name sagt schon alles. Der ikonische Deputy U.S. Marshal aus „Justified“, erschaffen von Elmore Leonard und unvergesslich verkörpert in der TV-Serie von Timothy Olyphant. Ein moderner Cowboy im 21. Jahrhundert.

Klingt doch vielversprechend. Mir macht das Schreiben auf jeden Fall Spass.